NACHTderkleinKÜNSTE (Tour 2020) // Das Kleinkunst-Variété

NACHTderkleinKÜNSTE (Tour 2020) // Das Kleinkunst-Variété

Eine Entdeckungsreise durch die Schweizer Kleinkunst

Die NACHTderkleinKÜNSTE ist ein Laboratorium, in dem Kleinkunst in ihrer ganzen Vielfalt entwickelt, aufgekocht, gemischt und präsentiert wurde – im Diogenes Theater in Altstätten.

Es war ein Abend im Diogenestheater, wie es ihn nur noch ganz selten zu erleben gibt. Schon gar nicht fern einer Millionenstadt hier im Rheintal. Einen Varieté-Abend nämlich. Ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit originellen Nummern, vollkommen unterschiedlich, aus verschiedenen Genres, denen nur eines gemeinsam ist: Es wird grossartige Kunst geboten.

11-facher Stepp-Weltmeister Daniel Borak

So etwa unglaubliche Tanzkunst. Denn was kaum bekannt ist: der elffache Weltmeister im Stepptanzen Daniel Borak kommt aus der Schweiz und betreibt in Winterthur ein Tanzstudio. Was er mit seinen mit Metallplatten beschlagenen Schuhen auf die Bühne des Diogenes zauberte, war pure Magie. Denn nicht nur, dass er die Schuhe klappern liess, wie es der „King of Stepdance“ Michael Flatley nicht besser kann, er wischte auch wie ein Eisläufer, wie ein Balletttänzer, wie ein Pantomine in poetischer Weise durch die dunkel gehaltene Bühne. Hollywoods bester Filmtänzer aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts Gene Kelly wäre vor Neid erblasst.

Grossartig, überraschend und innovativ auch die beiden Artisten und Jongleure von gemEinsam. Nico und Martina, so die Namen des Duos zeigten ihre Künste mit den Jonglierbällen und kämpften akrobatisch und mit Kraft mit einem alten Stubenmöbel. Slapstick und Jonglage vom Allerfeinsten.

Die Überleitungen zwischen den Nummern kamen von der Comedian Margrith Bornet. Ob als kieksende Coiffeuse im hellblauen altbackenen Ausserdermodekostüm oder als aufmüpfiger Teenie, der sein Lebensziel als Leserreporterin für „20 Minuten“ gefunden hat, brachte sie mit eleganter Leichtigkeit ihre Gags an die Adressaten. So mit dem Blick auf das coronabedingt Maskentragende Publikum: „Da bekommt das Wort Maskentheater eine ganz neue Bedeutung“, oder die tiefschürfende Erkenntnis, dass sie selbst kein Tatoo habe, aber eine mindestens ebenso dekorative Krampfader und vollfett dünn sei.

Gerhard Meister

Ergänzt wurden diese Artisten und Künstler noch durch den Spoken-Word-Vortragenden Gerhard Meister, der über betriebsinterne Verhaltensregeln sinnierte, und der Liedermacher Res Wepfer. Ein Sänger mit verschmitzten hintergründigen, schlitzohrigen oder manchmal poetisichen Inhalten.

Fotos von Christof Gruber